Von Sinn nur wenig Sinnvolles

Pressemitteilung von S4F München zum Weihnachtsvortrag “Wie retten wir das Klima – und wie nicht?” von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Werner Sinn am 16. Dezember in der Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München

Professor Hans-Werner Sinn, ehemaliger Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München a.D., gilt als Koryphäe der Wirtschaftswissenschaft. Wir, Münchner Wissenschaftler*innen aus diversen Disziplinen, sind hinsichtlich der wissenschaftlichen Qualität seiner Aussagen skeptisch und haben sie einem Faktencheck unterzogen, den wir Ihnen beiliegend übermitteln.

Es ist wissenschaftlicher Konsens, dass die Erderwärmung auf 1,5 bis maximal 2 Grad Celsius gegenüber dem Beginn des Industriezeitalters begrenzt werden muss, um nicht Gefahr zu laufen, dass weite Teile der Erde unbewohnbar werden. Es ist ebenso Konsens, dass dazu die Emissionen von Treibhausgasen innerhalb der nächsten 10 bis 15 Jahre drastisch gesenkt werden müssen. Und es ist ein im Pariser Übereinkommen von 2015 festgehaltener globaler politischer Konsens, dass entsprechend zu handeln ist.
Es herrscht darüber hinaus ein weitgehendes wissenschaftliches und politisches Einvernehmen, dass zur Bekämpfung der Klimakrise die Energieversorgung zu 100% auf erneuerbare Energien umgestellt werden muss.
Prof. Sinn sieht all dies offensichtlich anders, und stellt damit sogar in IPCC-Berichten, also auf global höchster Ebene festgehaltene Fakten in Frage. Er belächelt die Erneuerbaren und plädiert stattdessen für die Weiternutzung der Kernenergie.
Bedauerlicherweise stützt sich Prof. Sinn in großem Umfang auf falsche, veraltete oder tendenziöse Berechnungen. Die von ihm vorgeschlagenen Lösungen existieren vielfach nur als Prototypen oder noch gar nicht.
Zwei der wenigen Lichtblicke in Sinns langem Vortrag bleiben eine “Koalition der Willigen” aus Nationen, die beim Klimaschutz vorangehen, sowie ansatzweise sinnvolle Vorschläge zum Schutz des Waldes.
Herr Prof. Sinn mag in der Vergangenheit respektable Forschung in der Ökonomie betrieben haben, heute legt er nur eine zu großen Teilen fehlerhafte Einzelmeinung dar – mit unwissenschaftlicher Methodik.

Wir als Scientists for Future, die sich – abgesehen vom Berufsethos – einer ausgewogenen fachlichen Beurteilung verschrieben haben, können uns nur weit von den Aussagen des Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Werner Sinn distanzieren.


Pressekontakt: Dr. Miriam Noa // 0176 22 64 69 35 // presse@s4f-muenchen.de

Offener Brief an den Münchner Stadtrat Klimaneutralität 2035 und Klimanotstand jetzt

Microsoft Word – Appell-Stadtrat_final_lekt.docx

Sehr geehrte Stadträt*innen der Landeshauptstadt München,

hiermit appellieren wir als Münchner Bürger*innen an Sie. An diesem Mittwoch werden Sie über Anträge und Maßnahmen entscheiden, die die Stadt München für die kommenden Jahrzehnte auf einen klimafreundlichen Kurs setzen sollen.

Wir verstehen, dass bei Ihrer Entscheidungsfindung zwei Blickwinkel zu berücksichtigen sind, die beide ihre Berechtigung haben: Unter dem einen zeigt sich die Notwendigkeit, alles zu tun, um möglichst bis 2035 Klimaneutralität in München zu erreichen, unter dem anderen, dass die in der Entscheidungshoheit der Landeshauptstadt stehenden Maßnahmen alleine dies nicht bewirken können. Beides in bestmöglicher Weise zu berücksichtigen ist eine verantwortungsvolle und zweifellos nicht leichte Aufgabe.

Wir rufen Ihnen zu: Bitte unterschätzen Sie nicht den innovativen Wandel, der in Krisenzeiten durch starke Zielorientierung möglich ist. Geben Sie daher das Ziel, bis 2035 aus München eine klimaneutrale Stadt zu machen, nicht schon jetzt auf! Die Tatsache, dass die dazu erforderlichen Maßnahmen nur zu einem Teil von der Landeshauptstadt München direkt beschlossen werden können, sollte Sie nicht davon abhalten, dieses wichtige Ziel zu formulieren und dann auf allen Ebenen darauf hinzuwirken – über den Städtetag, die Staats- und Bundesregierung, und durch die Ermächtigung der Bürger*innen.

Der Klimawandel zeigt sein Gesicht überall immer deutlicher: Hitzewellen nicht nur in Deutschland, sondern sogar in Alaska; Wald-, Busch- und Torfbrände in Australien, Brasilien, Russland, wie am Polarkreis; ein stärker als erwartet steigender Meeresspiegel; ein Wald, dem es hierzulande wie andernorts schlecht geht; sinkende Grundwasserspiegel auf der einen, Überschwemmungen auf der anderen Seite. Selbst die von Klimamodellen entworfenen schlimmsten Szenarien werden von der Realität noch übertroffen!

Wir leben also schon jetzt in einem Zustand der Not und der Krise, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Benennen wir ihn also auch so: Rufen Sie den Klimanotstand für München aus! Das Europäische Parlament hat dies jüngst getan, so wie andere große deutsche Städte auch, und ausdrücklich präzisiert, dass damit keine Einschränkung von Grundrechten oder demokratischen Verfahren begründet werden darf. Lassen Sie den Klimanotstand aber nicht, wie vielfach befürchtet, als Worthülse stehen, sondern füllen Sie seine Erklärung mit Inhalt.

Den Weg zu diesem Ziel müssen Sie in der Politik nicht allein gehen. Gerne bieten wir, Wissenschaftler*innen aus verschiedensten Fachgebieten, Ihnen unsere beratende Unterstützung an. Wenden Sie sich für die Vereinbarung eines Treffens bitte an fakten@s4f-muenchen.de.

Vielen Dank für Ihre unermüdliche Arbeit, uns als Bürger*innen einer der lebenswertesten Städte Deutschlands und der Welt zu vertreten. Lassen Sie uns, Politiker*innen und Wissenschaftler*innen, zusammen alles dafür tun, dass unser München so lebenswert bleibt.

Mit freundlichen Grüßen,

Scientists for Future München, vertreten durch:

Dr. Patrick Vrancken, Dr. Antonia Misch, Dr. Michael Stöhr Romina Wild, M.Sc., Technische Universität München
Prof. Dr. Christian Holler, Hochschule München
Prof. Dr. Harald Lesch, Ludwig-Maximilians-Universität München

Pressemitteilung zur Pressekonferenz

Am Montag, 25. November 2019, 11 Uhr im Münchner Presseclub

Zweiter Globaler Klimastreik: Münchner Wissenschaftler unterstreichen die Bedrohung durch den Klimawandel und fordern zum Handeln auf

Im Vorfeld des globalen Klimastreiks am 29. November warnen die Wissenschaftler der Münchner Regionalgruppe von Scientists for Future (S4F) eindringlich vor dem sich rasch beschleunigenden menschengemachten Klimawandel. Wenn wir jetzt nicht handeln, kann das das Ende unserer Zivilisation bedeuten: Überhitzung, Dürren, Waldbrände, die weltweite Zunahme von Starkregen und Stürmen sowie der Artenschwund nehmen zunehmend katastrophale Ausmaße an, die nur durch eine konsequente und rasche Reduktion der Treibhausgasemissionen auf null begrenzt werden können. Dies umfasst einen Ausstieg aus der Nutzung der fossilen Brennstoffe Kohle, Erdöl und Erdgas über die Steigerung der Energieeffizienz und den massiven Ausbau erneuerbarer Energien, eine Umstellung auf treibhausgasneutrale Landnutzungsformen sowie den Schutz artenreicher und leistungsfähiger Ökosysteme. All das ist möglich. Insbesondere kann – entgegen landläufiger Meinung – eine vollständig erneuerbare und treibhausgasneutrale Energieversorgung schnell, kostengünstig und flächensparend realisiert werden, wie zahlreiche Untersuchungen zeigen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von S4F München halten eine weitergehende Aufklärung der Bevölkerung über das Ausmaß und die Gefahren der Klimakrise, aber auch zu den vorhandenen Möglichkeiten ihrer Abwehr für dringend erforderlich. Mit Nachdruck fordern sie, Falschnachrichten zum Klimawandel zu korrigieren. Der kürzlich in New York angelaufene Prozess gegen Exxon belegt exemplarisch, zu welchen Problemen eine Leugnung des menschengemachten Klimawandels gegenüber Aktionären und Öffentlichkeit führt.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Regionalgruppe München von Scientists for Future stellten im Rahmen einer Pressekonferenz am Montag, 25. November 2019 um 11 Uhr im Münchner Presseclub Ansprechpartner und wichtige Kernaussagen vor:

Dr. Miriam Noa, Pressesprecherin der Regionalgruppe München, informierte über S4F und die Kooperationen mit anderen *4F-Bewegungen und dem Bündnis “München muss handeln”.

Dr. Michael Stöhr, Mitglied des Koordinationsteams der S4F-Regionalgruppe München, informierte über die dramatische Zunahme kritischer Klimaveränderungen und den daraus folgenden Zeitdruck.

Prof. Michael Sterner von der Technischen Hochschule Regensburg berichtete über Möglichkeiten und Zeitabläufe bei der Umstellung Bayerns auf 100% erneuerbare Energien in den Bereichen Strom, Gebäude, Verkehr und Industrie.

Die Biologin Dr. Maiken Winter erläuterte den wenig bekannten Zusammenhang zwischen Artensterben und Klimaveränderung.

Dr. Peter H. Grassmann erklärte, welche Risiken Energiekonzerne eingehen, indem sie wissentlich den Klimawandel leugnen und unvermindert in die Suche und Erschließung neuer Ölvorkommen investieren.

Die Regionalgruppe München von S4F bietet einen Faktencheckservice an. Neben den genannten Experten stehen dafür folgende Mitglieder zur Verfügung:

Dr. Manfred Groh, Fachberater Erneuerbare Energien

Dr. Tina Heger, TU München, Weihenstephan, Lehrstuhl für Renaturierungsökologie

Dipl. Ing. Architekt Thomas Schießl, Fachberater für nachhaltiges Bauen

Prof. Dr. Michael Schrödl, Zoologische Staatssammlung München

Dipl. Ing. Architektin Kathrin Valvoda, Fachberaterin für nachhaltiges Bauen

Dr. Markus Vossebürger, Mitglied der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft

Prof. Dr. Mike Zehner, Technische Hochschule Rosenheim, Fachgebiet Nachhaltige Energietechnik und rationeller Energieeinsatz

Diese und weitere Experten von S4F sowie eingebundener Netzwerke stehen unter fakten@s4f-muenchen.de für Rückfragen zur Verfügung.

Darüber hinaus gibt es ein umfassendes und fortlaufend aktualisiertes Informationsangebot online unter auf der bundesweiten Webpräsenz von S4F.

Empfehlenswert ist zudem das Informationsangebot auf Klimafakten.de

Im Rahmen der Lectures for Future bieten Mitglieder von S4F rund um den 29.11. bundesweit und im Rahmen der Public Climate School vom 25.-29.11. in München zusammen mit vielen anderen Hochschullehrenden eine breite Palette an Vorlesungen und Podiumsdiskussionen rund um das Thema “Klimakrise” an.

Programm der Lectures for Future
Programm der Public Climate School

S4F-München Pressekontakt: Dr. Miriam Noa, presse@s4f-muenchen.de

Pressemappe zur Pressekonferenz:

Weitere Veranstaltungen

Am 12. Juni 2020 findet die größte BürgerInnenversammlung Deutschlands im Olympiastadion Berlin mit bis zu 90.000 Menschen statt.

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